Wasserzähler – von wegen ungenau!

Die unvermeidlichen Mengendifferenzen zwischen Haupt- und Wohnungszähler

Gebäudebesitzer, die die pauschale Umlage der Kaltwasserkosten durch eine verbrauchsbezogene Abrechnung ersetzen, machen häufig die Feststellung:

Das Wasserversorgungsunternehmen stellt eine höhere Kubikmetermenge Wasser in Rechnung, als die Anzeigen aller Wohnungszähler (Kalt- plus Warmwasser) tatsächlich ergeben haben.

Zwangsläufige Frage vieler Bewohner: „Wieso liegt der Kubikmeterpreis für meinen Verbrauch über dem, den das Versorgungsunternehmen berechnet?“.

Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe:

  • Nicht alle Zapfstellen werden mit Einzelzählern erfasst. So sind Gemeinschaftsräume mit relativ niedrigem Wasserverbrauch von der Messpflicht ausgenommen (Beispiel: das Handwaschbecken im gemeinschaftlichen Hobbyraum).
  • Die Abrechnungszeiträume bei der Abrechnung der Stadtwerke und der Betriebskostenabrechnung des Kunden sind unterschiedlich.
  • Wohnungszähler und Hauptzähler werden nicht immer zur gleichen Zeit abgelesen. Bis zur Ablesung der letzten Einzelzähler in allen Wohnungen (Nachzüglertermine) können einige Wochen vergehen.
  • Das Eichgesetz lässt Messdifferenzen der einzelnen Zähler zu. Die Eichfehlergrenzen betragen je nach Zählerart und Belastungsbereich zwischen zwei und fünf Prozent (siehe dazu Tabelle). Die im laufenden Betrieb einzuhaltenden Verkehrsfehlergrenzen dürfen sogar doppelt so hoch sein wie die Eichfehlergrenzen.

Belastungsbereich

Eichfehlergrenzen

Oberer Bereich (zwischen Trenn- und maximalem Durchfluss)

2 %

2%

Unterer Bereich (zwischen kleinstem und Trenndurchfluss)

5 %

5 %

  • Wegen Ausfalls von Haupt- oder Wohnungszählern oder wegen Abwesenheit von Kunden oder Wohnungsinhabern muss unter Umständen geschätzt werden.
  • Die Anlaufwerte der Zähler können unterschiedlich sein. Hauswasserzähler sind für größere Durchflussmengen ausgelegt als Wohnungswasserzähler.
  • Bei kleineren Zapfmengen in großen Gebäuden wirkt der Gleichzeitigskeitsfaktor – der Hauptzähler arbeitet schon im oberen Bereich, während der einzelne Wohnungszähler sich noch im unteren Bereich bewegt.

In der Praxis treten Differenzmengen immer auf, ohne dass der einzelne Wasserzähler außerhalb der zulässigen Verkehrsfehlergrenzen arbeitet. Beim Preisvergleich darf der Mieter nicht nur die Kosten durch die Versorger berücksichtigen, denn zu den Kosten der Wasserversorgung zählen noch weitere (dazu: § 21, Abs. 1+3 Neubaumietenverordnung und Anlage 3 zu § 27 Zweite Berechnungsverordnung). Er kann also keinesfalls davon ausgehen, dass ihm nur der Kubikmeterpreis des Versorgungsunternehmens in Rechnung gestellt wird.

Diese Differenzen sind auch in der Rechtssprechung behandelt worden. Das Amtsgericht Dortmund urteilte: „Zeigt der Hauptwasserzähler mehr als die Summe der Einzelverbräuche an, ist diese Differenz auf die Mieter aufzuteilen und zwar nach deren gemessenem Wasserbrauch. Der Mieter mit dem höchsten Wasserverbrauch wird folglich am meisten an der Differenz beteiligt. Der Mieter mit dem niedrigsten Wasserverbrauch muss am wenigsten dafür zahlen.“

(Quelle: Frank-Georg-Pfeifer, Nebenkosten, 4. Auflage 1994, Düsseldorf)

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